Scott Bradley im Narrenturm

Schon 2010 hatte ich im Narrentum im Wien gelesen – aus den Kolumnen, die die Welt nicht braucht. Die Location war seinerzeit sehr reizvoll gewesen, denn der Innenhof versprüht den Charme eines Gefängnis-Freigangs bei leichtem November-Niesel.

Diesmal mussten wir allerdings in den vierten Stock – immer noch reizvoll, wegen der vielen Exponate; denn der „Narrenturm“ ist eigentlich ein pathologisch-anatomisches Museum, die ausgestellten Dinge – vom Schädel bis zum eingelegten Körperteil – geben der Vorstellung von „Mutanten“ völlig neue Inhaltsmöglichkeiten (wirklich: schluck‘!).

Aber weil der Narrenturm rund ist, ist so ein Saal darin auf seltsame Art schlauchartig gewunden. Vorteil: Wenn man will, kann man von ganz rechts hinten zuhören, ohne den Vortragenden sehen zu müssen – so was hätten wir in den 80ern gebraucht, bei den rumhampelnden Synth-Pop-Bands…

Lesung im Wiener Narrenturm

Wir lasen zu fünft – aus Kolumnen, Geschichten und Büchern, Querbeet. Krimi-Legende Martin Compart las wieder aus seinem neuen Satanisten-Söldner-Verschwörungs-Thriller Die Lucifer-Connection. Nina Munk zitierte hörenswert aus ihren lesenswerten Fernseh-Kolumnen, der moderierende und alles organisierende Bradley-Verleger Peter Hiess aka Dr. Trash aka „Pater Michael Hass“ predigte aus seinen wunderbaren Predigten und Beppo Beyerl sprach unter anderem sein totalentschleunigtes Zugfahrer-Antispektakel „Langsamer als der Tod„, das ich trotz heavy Wiener Mundart ganz ganz großartig fand. (Man kann und sollte Herrn Beyerl auch hier hören.)

Narrenturm, Lesung im 4. Stock

Und natürlich las auch ich, nämlich diese Kolumne und die Bradley-Mission „Schnitzeljagd“. Meine mitgebrachten Laser- und Blink-Effekte (a.k.a. „Show“) kamen leider nicht ganz zur Geltung, wegen des Neonlichts des „Pathologisch-anatomischen Bundesmuseums“ in Wien. Auch sackte ich nach 23 Minuten geistig halb weg, weil die vorangehende Pause geendet hatte, als ich noch gut 0,2 Zweigelt im Glas hatte – welches ich mir deswegen hastig in den Hals geschüttet hatte, was ich dann beim Lesen bereute… (Merke: Vor dem Lesen stets nur stilles Wasser.)

Andreas Winterer liest Scott Bradley, geknipst vom Schorsch, der auch da war

Hernach gepflegtes Versinken in einem netten Beisl, mit Gulasch, Bier, Marillenschnaps und höchst erinnerungswürdigen Einheimischen. Ganz Wien, soviel sei noch gesagt, hat Charme – und mir vielleicht & hoffentlich auch verziehen, dass ich freimütig bekannte, dass ich Falco für großartig halte und meine Kenntnisse Österreichischer Kultur komplett aus „Kottan“ stammen…

Zurückblickend sei noch angemerkt: Ganz erstaunlich, wie einen drei Tage mit Lesungen schlauchen können…

[Ein Video ist in Vorbereitung…]

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