Narbenschau

Ökoaktivistin Jutta sah den Commander geringschätzend an. „Sie müssen nicht denken, dass nur militaristische Machos wie sie verletzt werden!“
„Muss ich nicht?“, echote Scott geistesabwesend und drehte seine Zigarre in den Fingern.

„Nein!“, giftete Jutta. „Hier, schauen sie!“. Sie zog den Ärmel ihres Pullovers nach oben und deutete auf eine anderthalb Millimeter lange, blasse Narbe am Unterarm. „Schnabel eines Nashornkolibri von Sirius Alpha!“ sagte sie triumphierend.

Bradley nickte gespielt anerkennend. „Nicht schlecht, aber schauen sie sich das hier an! Blob-Angriff!“ Er zog das rechte Hosenbein hoch und zeigte stumm auf eine verätzte und enthaarte Stelle an seiner Wade, die der Fläche von Texas entsprach.

Jutta lächelte beleidigt. „Jaaa, …“, leierte sie. „Haben sie das hier gesehen?“. Sie zog eine ihrer Sandalen aus, streifte sich die Socke ab und hielt Bradley einen nicht ungrazilen Fuß entgegen, an dem der kleine Zeh fehlte. „Räumungspanzer bei der Demo vor dem AKW Armageddon!“

Bradley winkte ab. „Pah! Nicht mehr als die aggresive Form einer Nagelbettentzündung, na und? Nichts gegen DAS hier!“

Er zog einen einen Fuß aus dem Stiefel, der behaarter war als der eines Hobbots. Auf dem Spann war ein Loch und darin surrten kleine Stahlseile bei jeder Bewegung seiner Zehen. „Da habe ich mir doch glatt den eigenen Cocktail auf die teuren Stiefel geschüttet“, murmelte der Commander.

Jutta geriet in Rage. „OK, OK. Jetzt ich: Stich einer Antareswespe!“, quiekte sie.

Sie lupfte im Eifer des Gefechts ihren Wollpullover nach oben, um dem Commander den Einstich im Brustbein zu zeigen. Dabei fielen unbedachterweise ihre monströsen Brüste heraus und erreichen nach nur kurzer Diskussion mit Gravitation und Massenträgheit wie zwei überdimensionale Schalen Wackelpudding ihre endgültige Parkposition. Zwei wie mit dem Zirkel gezogene Brustwarzen zeigten in einer gedachten Linie genau auf Bradley. Der legte den Kopf schief und öffnete den Mund, wodurch ein Sturzbach aus Speichel seinen linken Mundwinkel verließ und die Brusttasche seines Overalls in nur Sekunden bis zum Rand füllte. Bradleys Unterbewußtsein brüllte „Erklimmt den Berg Nitaka!“, sein Sprachzentrum keuchte: „Ein blutiges 800 Gramm Steak einer Antareswespe kostet unverschämte 300 Galaktodollar!“, womit er Jutta leider wieder in die Wirklichkeit zurückholte. Sie zerrte mit Lichtgeschwindigkeit den Pullover wieder über ihre Achttausender, wobei sich Schames- und Zornesröte die Klinke in die Hand gaben.

„Sie ESSEN diese wunderbaren Tiere!?!?!“, keifte sie.

„Äääähh!“, äääähhte Bradley noch in Gedanken an die unschuldig inhaftierten Zwillinge, „Ich wollte sagen: Unbezahlbar, diese wunderbaren Titt…, äh, Tiere!“

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