Mission II: Schleimgeschöpfe auf Trijon Delta X-10

„Geistlose kann man nicht begeistern. Aber fanatisieren kann man sie!“
(Marie Ebner-Bradley, Militaristin)

Scott Bradley verfrachtete lautstark seine Nasensekrete aus den Stirnhöhlen in die Kehle, dann spuckte er aus. Tödlich getroffen plumpste die Weltraum-Kakerlake zu Boden und begann sich langsam aufzulösen. Bradley wandte sich dem Funkgerät zu.

„Meldung, Foster! Was seht ihr?“

„Was, Sir? CHHZZTZ Funkkontakt wird immer schlechter CHHZZTZ …“

„Was ihr seht, will ich wissen!“

„Keine Ahnung, CHHZZTZ! Wir stehen am Eingang einer unCHHZZTZ riesigen Halle, Sir!“

„Eine Halle? Okay, auf keinen Fall hineingehen!“

„CHHZZTZ können Sie wirklich kaum noch verstehen, Sir. Das liegt CHHZZTZscheinlich an der Halle, Sir. Wir sind jetzt drin, Sir.“

„Raus da! Sofort raus da!“

„Nein, Sir, bei allem RespCHHZZTZ – es gibt hier keine Austern, Sir. Die Halle ist eher voller Kaviar … äh, Eier, Sir. CHHZZTZ Verdammt, Sir, das erinnert mich an einen Film, den wir uns mal in Exobiologie ansehen muCHHZZTZ, wie hieß der bloß? Aglio? Olio? Ach so: AliCHHZZTZen!“

„Rückzug! Sofort!“

„CHHZZTZ, Sir, wie ich sehe, bewegt sich da was in den seltsamen Eiern, und … HARGGHLLL RÖCHEL GLITSCH BLUBBER SPLATTER CHHZZTZ CHHZZTZ CHHZZTZ!“

Bradley drosch auf die Funkanlage ein.

„Foster!“ schnappte er. „Foster! Meldung!“

Doch alles, was er hörte, war das statische Knacken und Rauschen des Empfängers – und im Hintergrund die orkanartigen Stürme, die den trockenen Sand des Planeten LV-246 heulend gegen die Hülle des Schiffes peitschten, die einsam den Gewalten des außerirdischen Infernos trotzte … und so weiter.

******

„Foster!“ bellte Bradley. „Gruppe Rot Drei!“

„CHHZZTZ!“

„Foster? Verflucht! Foster!“

„CHHZZTZ!“

Die leuchtenden Skalen des Funkgeräts spiegelten sich in Bradleys Augen, als diese zu schmalen Schlitzen wurden. Er packte das Mikrophon so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten.

„Gruppe Rot Drei! Foster! Verdammt und zugenäht! Meldet euch endlich, aber auf der Stelle! Oder ich reiße euch die Ärsche klafterweit …“

„Ripley hier, Sir. Wir kommen jetzt zurück.“

„Ripley? Ein Gefreiter? Wo steckt Foster?“

„Foster hat’s erwischt, Sir.“

„Wie erwischt? Hat ihn etwa so-ein-Ding aus so-nem-Ei angefallen?“

„So isses, Sir. Treffsichere Analyse der Situation, Sir. Wie stets und immer, Sir.“

„Keine ,Sirs‘ hier, mein Junge. Wir haben eine Krisensituation.“

„Zu Befehl, Sir!“

„Aha. Okay. Also: Pack in ein Reagenzglas, was von Foster übrig ist, und beweg deinen Arsch hierher zurück. Ausführung!“

******

Die Wissenschaftlerin staunte durchs Binokular ins Reagenzglas und murmelte vor sich hin.

Habe nun, ach! Astrophysik, / Linguisterei und Exomedizin, / Und leider auch Teleologie / Durchaus studiert, mit heißem Bemühn …

„Nun reden Sie schon, Ma’am“, dampfte Bradley an seinem Stumpen vorbei.

Dr. exo. bio. Susan Savage lehnte sich zurück und ließ die Brille, die sie sich in die Haare geschoben hatte, wieder auf die Nase gleiten. Die blonde, blasse Wissenschaftlerin war nicht hübsch, aber auch nicht hässlich, halt der Typ Privatdozentin für extraterrestrische Biologie, der im Kino meist nur eine Aufgabe selbstlos erfüllt, nämlich den folgenden Satz zu sagen:

„So etwas habe ich noch nie gesehen!“

„Das weiß ich.“ Bradley lächelte freundlich wie ein Platzanweiser im Frauengefängnis, der einen Abszess in der Kimme hat.

„Denn ich hab’s Ihnen ja eben erst gezeigt. Also: Was ist es?“

„Es ist eindeutig außerirdischen Ursprungs“, resümierte Susan. Wissenschaftlich, versteht sich.

„Jaja“, grummelte Bradley, der langsam ungeduldig wurde. „Aber das hilft mir nicht weiter. Mehr als gut neunundneunzig Prozent des Abschaums in der Galaxis sind außerirdischen Ursprungs. Im Grunde jeder Abschaum, der nicht irdischen Ursprungs ist.“

Das blasse Gesicht der Wissenschaftlerin nahm einen Ausdruck an, wie ihn sonst nur die personifizierte Langeweile zu tragen pflegt.

„Also (gähn), was wollen Sie denn nun genau wissen, Mr. Admineral … Leutnarr … äh, Bradley?“

„Nennen Sie mich einfach Commander. Ich will wissen, wo ES herkommt.“

„Dafür brauchen Sie aber niemanden, der in Harvard studiert hat.“

„Apropos studiert: Wenn Sie nicht selbst von Aliens studiert werden wollen, vorzugsweise mit einer eisgekühlten Analsonde Kaliber .237, dann kommen Sie besser ruckzuck zur Sache.“

„Äh. Ja. Soweit ich das mit den minderwertigen Mitteln, die ihr Militärspinner mir zur Verfügung gestellt habt, feststellen konnte, kommt ES – definitiv! – nicht aus unserer Galaxis.“

„Harvard, ja? Lernt man da, so rumzusülz … Hmm, geht’s vielleicht etwas genauer, Ma’am? Und mit weniger Kommas?“

„Na schön. Sehen Sie diese fünffach rekombinierten RNSStränge?“

„Was? Na klar, äh …“

„Und hier: sowohl rechtsdrehendes Isopropyl-Propenyl als auch linksdrehendes (natürlich barbitursaures) Phenyl-Dimethyl samt Dimethyl-Amino-Pyrazolon.“

„Aha, jaja.“ Bradley versenkte die Hände in seinen Hosentaschen. „Und was heißt das nun?“ Er kraulte sich verlegen den Hodensack. „Ist ein bisschen her, dass ich Biologie gepaukt habe, und meine Stärke war schon damals mehr das Praktische … Sie verstehen, Doc?“

Tapfer ignorierte die Wissenschaftlerin das kratzende Geräusch.

„Einfach gesagt, also gewissermaßen militärisch ausgedrückt, diktiert die Logik eindeutig und unzweideutig, dass es – was immer es ist, und natürlich auf Grundlage dessen, was wir wissen und (denken Sie nur an Kant!) wissen können – äh, also, dass es aus einer anderen Galaxis stammt.“

„Soso, eine andere Galaxis also.“

„Oder aus einer anderen Dimension.“

„Soso, aus einer anderen Dimension also.“

„Oder von ganz woanders. Was noch nicht Denkbares. Aber sicher bald Erforschtes.“

„Soso, von ganz woanders also! Mit anderen Worten: Ihr Weißkittel wisst eigentlich überhaupt nichts!“

Susan Savage warf Bradley einen verächtlichen Blick zu. Diesen Blick haben nur Dr. exo. bios. drauf, die sich eigentlich, tief innen drin, nach einem echten Mann sehnen – nach einem Mann wie Scott Bradley.

„Das war, glaube ich, das, was ich Ihnen bereits ganz zu Anfang unseres interessanten Diskurses zu vermitteln versucht habe, Herr Bradley.“

Der echte Mann stand auf und stemmte die Fäuste in die Hüften.

„Na schön. Werfen Sie alles, was übrig ist, in die Brennkammer! Und dann nichts wie weg hier!“

Susan Savage, die sich gerade in Oslo (oder Kopenhagen? – jedenfalls in einem Tagtraum) den Nobelpreis für Exobiologie entgegennehmen sah, sprang alarmiert auf.

„Aber Commander! Wir dürfen die Proben nicht einfach vernichten! Die Erkenntnisse! Die Forschung! Die Wissenschaft könnte …“

„Interessiert mich nicht.“

„Neue Möglichkeiten für Biowaffen! Bradley, wie wär’s damit? Ich könnte Ihnen da was zusammenbrauen …“

Bradley zeigte seine geballte Faust.

„Echte Männer benutzen keine Biowaffen! Schieben Sie den Plunder in den Hyperfusionsofen und packen Sie Ihren Schminkkoffer!“

„Aber Bradley! Scott! Wir müssen zumindest ein wissenschaftliches Team anfordern, das …“

„Sie können gerne hier bleiben, Ma’am, und ein bisschen mit Ihren Reagenzgläsern spielen, während wir tektonische Waffen abwerfen.“

„Himmel! Sie wollen doch nicht etwa den ganzen Planeten sprengen?!?!“

Bradley drückte zutiefst männlich die Zigarre aus, wobei der Speichel auf seiner Zunge zischte. Dann lächelte er die Doktorin an wie ein Lausbub, der gerade ein neues Videospiel raubkopiert hat.

„Das ist genau der Zweck, zu dem man Tektonikbomben erfunden hat, denk’ ich doch. Oder, Frau Doktor?“

„Aber das verstößt gegen die Oberste Direktive!“

Vorsichtig fasste Bradley die magere Exobiologin am Kragen und hob sie auf seine Gesichtshöhe, wobei ihr die Birkenstock-Sandalen von den Füßen rutschten, was die Löcher in ihren Feinstrumpfhosen entblößte. Er sprach leise und sanft zu ihr, als habe er ein verschrecktes Karnickel vor sich.

„Ich scheiße auf die Oberste Direktive“, summte er hypnotisch. Dann brüllte er, dass ihre Haare nach hinten wehten: „Und diese langhaarigen Aliens kommen mir nicht in meine Galaxis! So wahr ich Scott Bradley heiße!“

******

So kam es denn auch.

Entschlusskräftigen Männern wie Commander Scott Bradley haben wir es zu verdanken, dass die Galaxis noch nicht von all den schleimblubbernden Ungeheuern heimgesucht wurde, die in den miesen Gegenden des Universums lauern und nur auf eine günstige Gelegenheit warten, über uns herzufallen, um uns zu HARGGHLLLLLL RÖCHEL GLITSCH BLUBBER SPLATTER …

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About Andreas Winterer

Jahrgang 1968 und gebürtiger Kölner. Autor und Erfinder von 'Scott Bradley' und reichlich anderem Weltraum-Käse. Verdient seine Brötchen als freiberuflicher Schriftsteller, Autor, Journalist, Blogger, Coach und Berater für Kommunikation und Kreativität in München. Kennt wirklich jeden SciFi-Film auf sciencefictionlexikon.de, ist Herausgeber des Literaturmagazins kaschemme.de und Autor des satirischen SF-Romans 'Cosmo Pollite' (2000), nominiert für die zwei wichtigsten deutschspachigen SF-Preise. Total wichtig also, aber furchtbar arm, also kaufen Sie bitte sein Buch.
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